*11.04.2012

blue tortie

HCM/PKD-Schall normal
(bei Dr. Kresken/Duisburg)
(letzter Schall am 19.09.2012)
GSD4 - negativ (N/N)


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Im Alter ca. 3 Wochen zog sich Phoibe eine tiefe Verletzung der Augenhornhaut zu. Natürlich haben wir sofort unseren Tierarzt aufgesucht. In den folgenden 1,5 Wochen waren wir nahezu täglich in seiner Praxis. Sie bekam Antibiotika und diverse Augensalben, die ich teilweise alle 2 Stunden verabreichen musste.
Trotz aller Mühen verheilte die Verletzung nicht. Zusätzlich entstand nach einiger Zeit noch eine Iridocyclitis (Entzündung der Regenbogenhaut).
Unser Tierarzt überwies uns daraufhin an eine Tierklinik mit Augenspezialisten, die wir sofort am nächsten Tag aufsuchten.
Die Diagnose war niederschmetternd. Ohne eine umgehende Operation würde das Auge nicht gerettet werden können. Trotz aller Bedenken, schließlich war Phoibe erst 4 Wochen alt, entschieden wir uns dafür es zu versuchen. Wir wollten Fieps, trotz des Narkoserisikos, nicht die Chance auf zwei gesunde Augen nehmen.
Die OP wurde direkt für den nächsten Tag angesetzt. Wenn ich an die Gefühle denke, die ich durchlebte als ich sie morgens in die Klinik brachte, wird mir noch heute übel. Ich hatte eine unbeschreibliche Angst, dass dieses kleine Wesen die Narkose nicht überleben könnte. Im Wartezimmer konnte ich meine Tränen nicht zurückhalten, vor allem da Fieps neben mir im Transportkorb marodierte und fröhlich in der Gegend herum sprang. Sie hatte wirklich ausnehmend gute Laune und ahnte nicht was auf sie zu kam.
Die Stunden bis ich eine Information über ihren Zustand bekommen konnte, waren die Hölle. Ich erwartete praktisch minütlich einen Anruf, dass es mit der Narkose Probleme gegeben hat. Nur 3 Stunden später rief mich die Klinik an und teilte mir mit, dass Phoibe alles gut überstanden hat. Es wurde ein so genanntes "Biosys" auf die Hornhautverletzung genäht und eine Bindehautschürze angelegt. Ihr Auge war somit praktisch zugenäht, so dass die Hornhaut vor weiteren Reibungen durch den Lidschlag geschützt wurde. Ich fuhr natürlich sofort los um "mein Baby" abzuholen und war glücklich zu hören dass sie die OP gut überstanden hatte, aber auch ängstlich was mich erwarten würde. Fieps war noch etwas benommen, aber als sie mich hörte, wurde sie sofort munter und wollte auf den Arm genommen werden. Sie freute sich ganz offensichtlich, dass sie mich sah. Wieder flossen Tränen, aber diesesmal der Rührung und Erleichterung.
Leider hieß es für sie jetzt, für die nächsten Wochen eine Halskrause tragen zu müssen und die Trennung von Mama und Geschwistern (die das Auge hätten erneut verletzen können).
Phoibe und ich zogen also ins Wohnzimmer und ich versuchte ihr so gut es ging die Zuwendung und Nähe ihrer Mama zu ersetzen. Sie war immer bei mir - entweder lag sie auf meinem Bauch, in meinem Arm, oder schlief bzw.. spielte in einem kleinen Auslauf neben mir. Durch die Halskrause konnte sie natürlich nicht selbständig essen und so hieß es, sie alle 2-3 Stunden mit einer Einwegspritze, püriertem Nassfutter und Mutterersatzmilch zu füttern. Darüber hinaus mussten alle 4 Stunden verschiedene Augensalben gegeben werden.
Man kennt es ja ... wenn einmal der Wurm drin ist, dann auch richtig und so bekam Fieps auf Grund ihres geschwächten Immunsystems noch zusätzlich eine Erkältung die in einer Lungenentzündung gipfelte. Das Bangen um ihr Leben nahm einfach kein Ende. Wer sich jetzt allerdings ein Katzenbaby vorstellt, dass krank und leidend in der Ecke lag und nur gepäppelt werden musste, der irrt gewaltig. Phoibe war die ganze Zeit über munter und aufgeweckt, hat gut gefressen und auch mit Halskrause gespielt. Sie hat mir mit jedem Blick und jeder Berührung ihrer Pfoten den nötigen Optimismus gegeben, immer weiter zu kämpfen und an sie zu glauben.
Im Zuge der weiteren Behandlung reagierte Fieps auch noch allergisch auf ein Medikament, was sie fast das Leben gekostet hat. Dies war ein Moment in der ganzen Zeit, der mich fast wahnsinnig gemacht hat. Wieviel sollte die kleine Maus noch aushalten müssen? Sie hat so sehr gekämpft und hat nie aufgegeben und dann das. Aber mein Tierarzt schaffte das Wunder und rettete ihr das Leben. Sie musste einige Stunden zu Infusionen und Medikationen in der Praxis bleiben. Als wir Nachmittags zu ihr durften, lag sie zusammengekauert in einer Sauerstoffkammer und schlief. Sobald sie mich hörte, wurde sie allerdings sofort wacher und kam auf mich zu gewatschelt. Sie nahm dann sogar schon wieder etwas zu essen von mir an, so dass wir sie mit nach Hause nehmen konnten. Täglich kontrollierte mein Tierarzt ihren Zustand. Einen Tag später begann die Bindehautschürze sich zu öffnen und Phoibe hätte eigentlich sofort wieder operiert werden müssen, was auf Grund ihrer Lungenentzündung und des vorherigen Kollapses aber undenkbar war. Wir entschieden uns ihr Leben über den eventuellen Erhalt des Auges zu stellen und so kam es leider so weit, dass ihr in einer zweiten Operation (eine Woche nach der ersten) das linke Auge entfernt werden musste. Die Verletzung verheilte nicht ausreichend und zu dem, und der Entzündung der Regenbogenhaut, kam noch ein extrem erhöhter Augeninnendruck.
Wieder bangte ich um ihr Leben und als die Tierärzte mir bei der Aufnahme zur OP sagten, sie würden alles tun um das Auge zu retten, hätten aber keine große Hoffnung, war der einzige Gedanke den ich noch fassen konnte "das ist mir alles egal, bitte gebt sie mir nur lebend zurück".
Wieder schafften die Ärzte in der Klinik die Meisterleistung ein, dieses mal 5 Wochen altes, von der Atmung her noch etwas angeschlagenes Kitten, zu operieren. Fieps vertrug auch diese Narkose recht gut und schon einen Tag später spielte sie "Bällchenfangen" als wäre nichts gewesen (bis auf die leidige Halskrause). 10 Tage später wurden die Fäden gezogen und einen Tag später durfte sie wieder zu ihrer Katzenfamilie, die sie freudig aufnahm. Von Anfang an spielten ihre Geschwister wieder mit ihr und Mama Lulu übernahm das kuscheln und die Körperpflege. Nur an die Zitzen ist sie nie wieder gegangen, sie bestand nach wie vor auf ihr püriertes Kittenfutter und hat diese Sonderbehandlung sichtlich genossen.
Meine kleine Maus macht heute nicht den Eindruck als würde sie, durch den Verlust des Auges, Probleme haben. Sie tobt so wild wie der Rest der Bande und entwickelt sich einfach nur toll wie ich finde.

Auch jetzt noch, wo ich das alles aufschreibe, fällt es mir unglaublich schwer mich an diese schlimmen Wochen zuerinnern und mir laufen die Tränen - und das obwohl Fieps gerade mit ihrem Bruder durchs Wohnzimmer tobt und versucht mir die Decke von der Couch zu ziehen.
Phoibes Geschichte wird hier natürlich fortgesetzt, denn um nichts in der Welt könnte ich mich von ihr trennen und auch sie hängt sehr an mir. Unsere Kuschelstunden sind uns heilig und sie weiß haargenau wie sie mit nur einem Augenaufschlag, genau das bekommt was sie möchte.

 

Ich möchte mich an dieser Stelle natürlich bei meinem Tierarzt Dr. Wüst & seinem ganzen Team, sowie Dr. Bausch & dem Team der Tierklinik am Kaiserberg für ihren Einsatz bedanken, ohne die Fieps bestimmt jetzt nicht so munter wäre.

 

Das folgende Lied ist mir in dieser schwierigen Zeit immer wieder im Kopf gewesen. Ich finde es drückt die Gefühle die ich für dieses kleine Wesen habe, einfach unglaublich gut aus.

Dir gehört mein Herz
(aus Disney´s Tarzan)

Hör auf zu weinen und nimm meine Hand
halt sie ganz fest, keine Angst
Ich will dich hüten,
will dich beschützen
bin für dich hier, keine Angst

Du bist so klein und doch so stark
in meinen Armen halte ich dich schön warm
von nun an sind wir unzertrennlich
bin für dich hier, keine Angst

Denn dir gehört mein Herz
ja dir gehört mein Herz
Von heute an für alle Ewigkeit

Dir gehört mein Herz
Nun bist du hier bei mir
denn dir gehört mein Herz
nur dir

Ach könnten sie mit unseren Augen sehn
sie trauen nicht, was sie nicht verstehen
Wir sind verschieden doch unsere Seelen
sind nicht verschieden sondern eins

Dir gehört mein Herz
ja dir gehört mein Herz
von heute an für alle Ewigkeit
nur dir

Dir gehört mein Herz
nun bist du hier bei mir
denn dir gehört mein Herz
nur dir

nur dir

 

Natürlich ist Phoibe derzeit noch nicht kastriert, das werden wir durchführen lassen wenn sie ein wenig älter ist. Da ich sie aber nicht in der Zucht einsetzen werde, haben wir sie schon einmal in die Gruppe unserer Kastraten aufgenommen.