Mit Maylight habe ich mir einen Traum erfüllt, den wohl mindestens jedes zweite Mädchen träumt - ein eigenes Pferd. Ich habe mit dem Reiten begonnen als ich acht Jahre alt war, aber ein eigenes Pferd war einfach immer undenkbar. Ich bin meinen Eltern aber unendlich dankbar dass sie mein Hobby ansonsten mit jedem nur möglichen Einsatz unterstützt haben. Sie haben mich kilometerweit zum Reitunterricht gefahren und als ich meine Pflegepferde hatte, sogar fast täglich. Auch der finanzielle Aspekt darf nicht außer Acht gelassen werden - die Ausrüstung, der Vereinsbeitrag, und natürlich die (mehrfach) wöchentlich stattfindenden Reitstunden - das alles war bestimmt ein enormer Aufwand und ich möchte ihnen auch auf diesem Wege dafür danken, dass sie mich immer unterstützt haben.


 

Als ich 16 war, fing ich an nebenbei zu arbeiten und sparte fast jedes Geld das ich in die Finger bekommen konnte. Mit 18 schockte ich dann meine Eltern damit, dass ich mir ein eigenes Pferd kaufen wollte. Ich zog also, meist in Begleitung meiner Schwester, los und schaute mir Pferde an. Nach schier unendlicher Suche fand ich Maylight. Schon als sie mich aus ihrer Box heraus anschaute, war es um mich geschehen. Die Verkäufer hätten sie eigentlich gar nicht mehr aus ihrer Box holen müssen. Kurz gesagt, wir haben etwas mehr als 15 Jahre miteinander verbracht. Es war nicht immer einfach, denn May war oft krank. Reiten konnte ich sie vielleicht vier Jahre und das noch nicht einmal am Stück. Eine immer wiederkehrende Augenentzündung, 4 Überstützungsbandrisse und zu guter Letzt eine chronische Hufrollenentzündung begleiteten uns über die Jahre. Diese Schwierigkeiten resultieren bestimmt auch mit ihrer Zucht als Traber und der "Nutzung" der ersten Jahre auf der Rennbahn.


 

Trotz allem kann man sagen, dass wir eine Menge miteinander erreicht und erlebt haben. Wunderschöne Ausritte, Bodenarbeit, Orientierungsritte und sogar ein Dressurturnier haben wir absolviert und waren immer sehr zufrieden mit unseren Leistungen. Sowohl mein Bruder Felix als auch mein Neffe Elias haben das erste Mal auf einem Pferd mit May erlebt. Selten habe ich ein Pferd kennen gelernt, dass so vorsichtig war wie sie, wenn Kinder in der Nähe waren.

Auch André hat auf Maylight reiten gelernt. Er hatte dabei freilig seine eigene Vorgehensweise - die aber erstaunlich erfolgreich verlief. Erst fütterte er May über Wochen mit Tonnen von Leckerchen, so dass ich ernsthaft um ihre Figur zu bangen begann und erst danach stieg er das erste Mal in den Sattel. Ehrlich, wir haben alle damit gerechnet dass sie ihr übliches Programm abspult sobald ein Erwachsener auf ihren Rücken klettert, nämlich dass sie diesem "Störfaktor" erst einmal zeigt wo das Hammer hängt. Sowohl meine Freundinnen, als auch ich haben einhellig prophezeit dass May die vorherigen Bestechungsversuche ignoriert sobald es sozusagen an die Arbeit geht (schließlich habe ich sie über Jahre täglich gefüttert, was sie keineswegs dazu veranlasst hat milder mit mir ins Gericht zu gehen wenn es ums reiten ging ;-) ).
Bei André war dies nicht so - die beiden verstanden sich prächtig und unternahmen auch den ein oder anderen Ausritt miteinander. Ich denke die beiden hatten so eine Art Waffenstillstand geschlossen - störst Du mich nicht, stör ich Dich nicht - und sind damit super zurecht gekommen.

In diesem Zusammenhang möchte ich erwähnen, dass man mit Trabern hervorragende Freizeitpferde hat, die Leistungsbereit und Nervenstark sind und der negative Ruf ihnen häufig zu unrecht angelastet wird. Ich habe mit May einen immer zuverlässigen und liebenswerten Kameraden gehabt. Wer sich allerdings einen Traber von der Rennbahn kauft weil er "so schön billig" ist, den kann ich nur warnen. Diese Pferde haben häufig bereits in jungem Alter harte Arbeit leisten müssen und dies schlägt sich fast zwangsläufig in Folgeschäden nieder. Wer sich gerne einen Traber anschaffen möchte, dem rate ich, zu privaten Züchtern die diese Rasse als reine Freizeitpferde züchten, Kontakt aufzunehmen.




Am 29.02.2008 musste ich von Maylight Abschied nehmen.
Ihr Zustand hatte sich seit dem letzten Jahr kontinuierlich verschlechtert. Sie nahm drastisch, und ohne feststellbaren Grund ab - egal was ich an Zusatzfutter besorgte, nichts verhalf ihr wieder zu einem Normalgewicht. Zusätzlich konnte sie immer schlechter laufen und bekam mehrfach hintereinander schwere Entzündungen im Bereich der Hufe. Ende Februar dann erlitt sie erneut einen schweren Entzündungsschub. Sie konnte kaum noch stehen und noch nicht einmal Morphium konnte ihr die Schmerzen nehmen. Auch im Hinblick auf ihren sehr schlechten Allgemeinzustand, der geringen Heilungschancen und einiger Zeit erfolgloser Behandlung, haben wir den Kampf aufgeben müssen. Diese Entscheidung ist mir so unendlich schwer gefallen aber ich konnte und wollte May einfach nicht weiter leiden sehen.

Sie wird immer einen Platz in meinem Herzen haben!