Käther – oder das Leben ist ungerecht

Hallo, ich bin es wieder. Nachdem mein letzter Gedankenerguß so gut angekommen ist, wurde ich gebeten Euch häufiger aus meinem Leben zu berichten. Das tue ich natürlich gerne, da mein Frauchen meint, ich wäre ein richtiges „Waschweib“ – ob sie damit meint das ich Wasser sehr gerne habe? Keine Ahnung, aber ein Weib bin ich definitiv nicht – oder....

Da war vor einiger Zeit ein Erlebnis, von dem ich Euch berichten möchte, meine lieben Mitkatzen – möge es Euch zur Warnung gereichen, und wenn es zu spät kommt – in mir habt Ihr einen Leidensgenossen. Die Genfer Konventionen regeln dieses Unrecht nicht, Amnesty International ist es auch egal und der Tierschutz befürwortet es sogar noch! Ich überlege zur Zeit so etwas wie einen weißen Ring für Katzen zu gründen, wir müssen uns dagegen organisieren!!!

Also, ich beginne von vorne. Eines schönen Tages erzählt mein Frauchen etwas von „Käther wird morgen kastriert“ – hm, ich ahne zu diesem Zeitpunk noch nichts böses, mein Frauchen ist ja auch lieb und macht immer tolle Sachen mit mir und schöne Geschenke gibt es auch hin und wieder (nein – ich schleime nicht! Ist sowieso zu spät...). Ich denke noch, o.k. warum nicht, machen wir morgen eine Kastration, ich habe sowieso nichts besseres vor und ein wenig Abwechslung bringt Schwung in den Katzenalltag. Ich war so stolz und habe es gleich meinen Kumpels erzählt. Toran war richtig neidisch, daß ich eine Kastration machen durfte und er nicht („keiner hat mich lieb“) nur Dustin verzog grad´ mal ein wenig die Miene, tätschelt mir sanft den Kopf und wünschte mir „viel Spaß“. Wenn ich zurückdenke, meine ich, es wäre seine Pflicht als Freund gewesen mich zu warnen. Also, es handelt sich ja dabei nicht um ein Pircing oder eine neue Frisur – das lässt sich alles korrigieren, aber so eine Kastration – die hat man fürs Leben. Gut, ich gebe zu, ich wollte dabei gerne mitmachen, zumal Frauchen scheinbar der Auffassung war, ohne mich ginge es nicht, was mir ungemein schmeichelte... Aber sie hätte mir druchaus auch einmal die Konsequenzen aufzeigen können.

Seltsam war es schon, daß ich abends nichts mehr essen durfte, aber da dachte ich noch daran, daß ich mir meinen guten Appetit für den nächsten Tag aufheben sollte und hielt tapfer still. Am nächsten Tag dann – Transportkorb. Hey so haben wir nicht gewettet – können wir diese Kastration nicht auch zu Hause machen? Ich mag nicht Auto fahren und Hunger habe ich danach sowieso nicht mehr. Scheinbar ging das nicht (jetzt weiß ich auch warum). Als wir aus dem Auto ausstiegen und ich den Tierarzt sah´ fühlte ich mich ganz enorm betrogen, nichts schönes konnte mich hier erwarten. Und tatsächlich – Frauchen gab´ mich einfach dort ab. Ich sollte die Kastration ganz alleine machen – das konnte ja nicht spaßig sein. Das Frauchen beim verabschieden noch einige Tränen vergoss konnte nichts gutes bedeuten....

War das mit der Kastration etwa eine Finte und sie gab mich im Tierheim ab, so wie sie immer gedroht hatte wenn ich sie wieder einmal zur Weißglut getrieben habe? Schnell einmal rekapituliert – was habe ich mir in der letzten Zeit geleistet...? Gut, da war schon das ein oder andere – hätte ich doch nicht die Leckerchentüte geklaut und den Inhalt verputzt (und danach wieder auf selbem Wege retour befördert – Anmerkung vom Frauchen) , fand sie es etwa nicht lustig, daß ich ihr selbst bei ihren Klöchengängen Gesellschaft leistete und mich auf ihren Schoß setzte, eigentlich hat sie doch auch immer gelacht wenn ich mit ihr geduscht habe, hat sie mir die Kratzer auf ihrem Rücken doch übel genommen, als ich ihr in der Badewanne auf den Rücken gehüpft bin? Hey, komm´ wieder ich KANN brav sein, ehrlich!

Aber nichts half. Ich mußte da durch. Zumindest fand ich heraus, das ich diese Kastration doch bekommen sollte. Na wenigstens das. Erst gab es einen kleinen Piekser vom Tierarzt. Das kannte ich ja schon, aber danach sollte der Spaß nun endlich los gehen. Plötzlich wurde mir ganz schwummerig. Hätte ich doch in der lezten Nacht mehr geschlafen, ich würde ja die ganze Kastration verschlafen.... So war es dann auch und ich kann Euch sagen liebe Mitkatzen (und vor allem Kater) DAS WAR AUCH GUT SO!!!!! Ich werde also wieder wach und habe die arge Vermutung, daß sie mir etwas in den Tee gegeben haben so duselig bin ich noch, da bemerke ich ein kleines zwicken in der Gegend meines Heiligtums. Ich schau also hin um mich dort einmal gründlich zu reinigen und was ist... sie haben sie mir geklaut, einfach weggenommen!!! Das also ist eine Kastration. Betrug, Verstümmelung, Frechheit - das Frauchen braucht gar nicht erst wieder zu kommen. Ich mag sie nicht mehr....

Wie soll ich denn leben ohne? Das ist ja so peinlich... alle werden mit den Pfoten auf mich zeigen... ob ich mir einfach angewöhne den Schwanz zwischen die Beine zu klemmen? Dann fällt es bestimmt nie auf.

Na, ich gebe zu, ein wenig gefreut habe ich mich schon als Frauchen mich wieder abgeholt hat. Aber das wollte ich ihr nicht zeigen. Zu Hause ist sie immer entsetzlich um mich herumschawenzelt aber ich bin immer weg gegangen (so gut ich gehen konnte mit dem Schwanz zwischen den Beinen) – verzeihen? Nicht mit mir gute Frau!

Gut, ich bin ja ein alles in allem großherziges Wesen, also habe ich ihr ihr irgendwann doch verziehen – purer Eigennutz: ich bekam Hunger. Herrchen hat sogar richtig Mitgefühl gezeigt und mich besonders verwöhnt – er sagte immer, er könne das so gut nachfühlen – das verstand ich dann wieder nicht...

Den Schwanz klemme ich mir jetzt zwar nicht mehr zwischen die Beine (unbequem) aber kann mir mal jemand erklären für was so etwas gut ist? Für wenn war das denn nun Spaß? Bestimmt nur für den Tierarzt....

 

Euer Käther